Retinol oder Retinal: was ist besser?
Retinol oder Retinal: Die Frage lässt sich nicht über die Wirksamkeit beantworten, weil ein direkter Vergleich beider Formen unter gleichen Bedingungen nicht veröffentlicht ist. Beantworten lassen sich drei andere Punkte – die Umwandlung in der Haut, die Studienlage je Form und die Regeln, die in der EU für sie gelten.
Was ist der Unterschied zwischen Retinol und Retinal?
Beide sind Formen von Vitamin A, und beide werden in der Haut zu Retinsäure umgebaut – der Form, die an den Rezeptoren ansetzt. Der Unterschied ist die Zahl der Schritte: Retinol wird zuerst zu Retinaldehyd und dann zu Retinsäure, Retinal ist dieser Zwischenschritt bereits.
| Retinol | Retinal | |
|---|---|---|
| INCI-Name | Retinol | Retinal (CAS 116-31-4) |
| Chemische Form | Alkoholform von Vitamin A | Aldehydform, Zwischenstufe |
| Schritte bis zur Retinsäure | zwei | einer |
| EU-Höchstmenge nach Anhang III | 0,3 % Retinoläquivalent, außer Körperlotion | kein eigener Eintrag |
| Warnhinweis „Enthält Vitamin A“ | vorgeschrieben | nicht vorgeschrieben |
| Übliche Konzentrationen in Studien | 0,04 bis 0,1 % | 0,05 bis 0,1 % |
Die Tabelle beantwortet die Frage in den meisten Fällen. Was sie nicht sagt: dass weniger Schritte automatisch mehr Wirkung bedeuten. Ausbeute, Stabilität und die Rezeptur drumherum entscheiden mit.
Ist Retinal stärker als Retinol?
Auf diese Frage gibt es keine belastbare Antwort, weil die entscheidende Studie fehlt: ein direkter Vergleich beider Formen, in derselben Grundlage, in derselben Konzentration, an denselben Gesichtern. Was vorliegt, ist eine Rangfolge aus dem Labor und getrennte Untersuchungen zu jeder Form.
Die Rangfolge stammt aus einer Arbeit von Saurat und Kollegen (1994), die anhand der Bildung des Bindungsproteins CRABP-2 verglich, wie stark die einzelnen Vitamin-A-Formen in der Haut ankommen. Sie lautete: Retinsäure, Retinaldehyd, 9-cis-Retinsäure, Retinol, β-Carotin. Untersucht wurden 0,05 %, 0,1 % und 0,5 %; in die Verträglichkeitsprüfungen derselben Arbeit gingen 229 Personen ein.
Eine Rangfolge von Molekülen ist keine Rangfolge von Produkten. Zwei Seren mit derselben Form können sich in Konzentration, Grundlage und Verpackung so stark unterscheiden, dass die Reihenfolge im Regal eine andere ist als die im Labor.
Was ist zu Retinal am Menschen gemessen worden?
Zwei Arbeiten werden regelmäßig genannt, und sie sind unterschiedlich aussagekräftig.
Creidi und Kollegen (1998) prüften Retinaldehyd 0,05 % gegen ein Vehikel, mit optischer Profilometrie an Silikonabdrücken nach 18 und 44 Wochen. Von 125 auswertbaren Teilnehmerinnen entfielen 40 auf Retinaldehyd und 45 auf das Vehikel. Unter Retinaldehyd verringerten sich Faltentiefe und Rauheit deutlich, unter dem Vehikel zeigte sich keine bedeutsame Veränderung. Ein dritter Arm der Studie prüfte eine verschreibungspflichtige Zubereitung; sie fällt unter einen anderen Rechtsrahmen und wird hier nicht besprochen.
Kwon und Kollegen (2018) verglichen an 40 Freiwilligen Retinaldehyd 0,1 % mit 0,05 %, zweimal täglich über drei Monate. Die Hauttextur besserte sich um 13,7 % beziehungsweise 12,6 %, ohne statistischen Unterschied zwischen den beiden Dosierungen. Diese Studie hatte keinen Vehikelarm – die Zahlen sagen deshalb nichts darüber, wie viel davon auf den Wirkstoff entfällt.
Was zu Retinol vorliegt, ist umfangreicher und steht mit Fallzahlen und Dauer in Was macht Retinol mit der Haut.
Welche Form ist für Einsteiger geeigneter?
Beide, wenn die Konzentration niedrig ist und in den ersten Wochen selten aufgetragen wird. Die einzige veröffentlichte Verträglichkeitsuntersuchung, die beide nebeneinander geprüft hat, stammt von Fluhr und Kollegen (1999): Pflastertests an sechs Personen über 14 Tage und eine Anwendungsbeobachtung an 355 Personen über 44 Wochen. Retinol und Retinaldehyd zeigten dort ein gleichermaßen geringes Reizpotenzial. Konzentrationen nennt die Zusammenfassung nicht.
Für die Praxis heißt das: Die Form ist nicht der Hebel, an dem ein Einstieg gelingt oder scheitert. Der Hebel ist der Rhythmus – zwei bis drei Abende pro Woche, eine reichhaltige Creme darüber, keine zweite fordernde Anwendung am selben Abend. Wie das aussieht, steht in Retinol richtig anwenden.
Warum ist nur Retinol in der EU begrenzt?
Weil die Beschränkung an Vitamin A als Aufnahmemenge ansetzt, nicht an der Wirksamkeit. Die Verordnung (EU) 2024/996 hat in Anhang III der EU-Kosmetikverordnung einen Eintrag für Retinol, Retinylacetat und Retinylpalmitat aufgenommen: höchstens 0,05 % Retinoläquivalent in Körperlotion und 0,3 % Retinoläquivalent in allen übrigen auf der Haut oder im Haar verbleibenden sowie auszuspülenden Mitteln. Ein Gesichtsserum fällt unter die zweite Gruppe. Dazu kommt ein vorgeschriebener Hinweis auf der Packung: „Enthält Vitamin A. Berücksichtigen Sie Ihre tägliche Aufnahme vor der Anwendung“.
Seit dem 1. November 2025 dürfen Mittel, die diese Bedingungen nicht erfüllen, nicht mehr in Verkehr gebracht werden; ab dem 1. Mai 2027 dürfen sie auch nicht mehr bereitgestellt werden. Retinal ist in diesem Eintrag nicht aufgeführt.
Daraus folgt allerdings kein Vorteil, und der Grund dafür steht in der Stellungnahme selbst. Der Wissenschaftliche Ausschuss für Verbrauchersicherheit schreibt in SCCS/1639/21, dass für Retinal keine Daten eingereicht wurden und diese Verbindung deshalb nicht Gegenstand der Bewertung war. Das Fehlen einer Obergrenze bedeutet also nicht, dass Retinal geprüft und für unbedenklich befunden wurde – es bedeutet, dass es nicht geprüft wurde. Wer daraus ein Verkaufsargument macht, verwechselt eine Regelungslücke mit einem Ergebnis.
Wie stabil sind die beiden im Produkt?
Beide Formen sind licht- und luftempfindlich, und das ist der praktisch wichtigste Punkt beim Kauf. Eine Analyse von Temova Rakuša und Kollegen (2021) untersuchte sechzehn Retinoid-Verbindungen in zwölf handelsüblichen Kosmetika über sechs Monate: Der Gehalt sank je nach Produkt um 0 bis 80 % bei 25 °C und um 40 bis 100 % bei 40 °C. Der Abbau durch Licht fiel dabei ausgeprägter aus als der durch Wärme.
Deshalb zählen Verpackung und Lagerung mindestens so viel wie die Zahl auf der Vorderseite: blickdicht, gut verschlossen, kühl und dunkel, und nach dem Öffnen innerhalb der angegebenen Verwendungsdauer aufbrauchen. Ein Serum, das monatelang auf einer sonnigen Fensterbank steht, verliert an Wirkstoff – unabhängig davon, welche Form es enthält.
Woran erkennt man beides auf der Inhaltsstoffliste?
An den Einträgen Retinol und Retinal. Die Liste führt die Bestandteile in
abnehmender Reihenfolge ihres Gewichts auf; Anteile unter einem Prozent dürfen in
beliebiger Reihenfolge stehen. Vitamin-A-Formen werden in sehr kleinen Anteilen
eingesetzt und stehen deshalb meist im hinteren Teil – eine späte Position erlaubt
keinen Rückschluss auf einen Prozentwert.
Zwei weitere Einträge tauchen in diesem Zusammenhang auf: Retinyl Palmitate und
Retinyl Acetate. Beide sind Ester des Retinols und fallen unter dieselbe
EU-Regelung. Der Warnhinweis „Enthält Vitamin A“ auf einer Packung ist also ein
verlässlicher Hinweis darauf, dass eine dieser drei Verbindungen enthalten ist.
Das Serum N°5 · Retinol von Maison Covelli finden Sie in der Kollektion: 30 ml, Glasflakon mit Pipette, formuliert und hergestellt in Italien. Wie es abends eingeführt wird, steht im Leitfaden zum Retinol-Serum.
Studien und Quellen
Die folgenden Arbeiten betreffen den jeweiligen Wirkstoff oder andere Rezepturen. Keine davon untersucht ein Produkt der Maison Covelli.
- Creidi P, Vienne MP, Ochonisky S, Lauze C, Turlier V, Lagarde JM, u. a. Profilometric evaluation of photodamage after topical retinaldehyde and retinoic acid treatment. J Am Acad Dermatol 1998;39(6):960-965.
- Fluhr JW, Vienne MP, Lauze C, Dupuy P, Gehring W, Gloor M. Tolerance profile of retinol, retinaldehyde and retinoic acid under maximized and long-term clinical conditions. Dermatology 1999;199(Suppl 1):57-60.
- Kwon HS, Lee JH, Kim GM, Bae JM. Efficacy and safety of retinaldehyde 0.1% and 0.05% creams used to treat photoaged skin: a randomized double-blind controlled trial. J Cosmet Dermatol 2018;17(3):471-476.
- Saurat JH, Didierjean L, Masgrau E, Piletta PA, Jaconi S, Chatellard-Gruaz D, u. a. Topical retinaldehyde on human skin: biologic effects and tolerance. J Invest Dermatol 1994;103(6):770-774.
- Temova Rakuša Ž, Škufca P, Kristl A, Roškar R. Retinoid stability and degradation kinetics in commercial cosmetic products. J Cosmet Dermatol 2021;20(7):2350-2358.
- Europäische Kommission. Verordnung (EU) 2024/996 vom 3. April 2024 zur Änderung der Verordnung (EG) Nr. 1223/2009 hinsichtlich der Verwendung von Vitamin A, Alpha-Arbutin und Arbutin sowie bestimmter Stoffe mit potenziell endokrinschädigenden Eigenschaften. Amtsblatt der EU L 2024/996, 4.4.2024.
- Wissenschaftlicher Ausschuss für Verbrauchersicherheit (SCCS). Revision of the scientific Opinion (SCCS/1576/16) on vitamin A (Retinol, Retinyl Acetate, Retinyl Palmitate). SCCS/1639/21, endgültige Fassung, angenommen am 24./25. Oktober 2022.
Dieser Beitrag beschreibt kosmetische Mittel und ihre Inhaltsstoffe. Er bezieht sich auf das Erscheinungsbild der Haut und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei Hautveränderungen, in der Schwangerschaft oder bei bekannten Unverträglichkeiten wenden Sie sich an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Retinol und Retinal?
Beide sind Formen von Vitamin A und werden in der Haut zu Retinsäure umgebaut. Retinal steht in dieser Kette eine Stufe weiter vorn und braucht nur einen Umbauschritt, Retinol zwei. Auf der Inhaltsstoffliste heißen sie Retinol und Retinal.
Ist Retinal stärker als Retinol?
Ein direkter Vergleich beider Formen auf Wirksamkeit unter gleichen Bedingungen ist nicht veröffentlicht. Was vorliegt, ist eine Rangfolge aus dem Labor zur Umwandlung in der Haut und getrennte Studien zu jeder Form. Daraus lässt sich keine Aussage über zwei fertige Seren ableiten.
Welche Form ist für Einsteiger geeigneter?
Beide, wenn die Konzentration niedrig ist und langsam begonnen wird. In einer Verträglichkeitsuntersuchung an 355 Personen über 44 Wochen zeigten Retinol und Retinaldehyd ein gleichermaßen geringes Reizpotenzial. Entscheidender als die Form ist die Häufigkeit der Anwendung in den ersten Wochen.
Gilt die EU-Höchstmenge von 0,3 % auch für Retinal?
Nein. Die Verordnung (EU) 2024/996 nennt in Anhang III ausdrücklich Retinol, Retinylacetat und Retinylpalmitat. Retinal ist dort nicht aufgeführt. Aus dieser fehlenden Obergrenze folgt allerdings kein Vorteil: Sie sagt nichts über Wirksamkeit oder Verträglichkeit eines Produkts.
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