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Retinol morgens oder abends auftragen?

Benjamin Georges, Gründer6 Min. Lesezeit

Retinol morgens oder abends: abends, auf die gereinigte und vollständig trockene Haut, vor der Creme. Der Grund liegt im Produkt, nicht in der Haut – Licht baut Vitamin-A-Verbindungen ab. Am Morgen bleibt die Routine dadurch schlanker, und der Sonnenschutz bekommt den Platz, der ihm ohnehin zusteht.

Warum abends und nicht morgens?

Weil der Wirkstoff lichtempfindlich ist. Eine Analyse von Temova Rakuša und Kollegen (2021) untersuchte sechzehn Retinoid-Verbindungen in zwölf handelsüblichen Kosmetika über sechs Monate: Der Gehalt sank je nach Produkt um 0 bis 80 % bei 25 °C und um 40 bis 100 % bei 40 °C. Der Abbau durch Licht fiel dabei ausgeprägter aus als der durch Wärme.

Der zweite, meistgenannte Grund hält der Prüfung dagegen nicht stand. Der Wissenschaftliche Ausschuss für Verbrauchersicherheit der Europäischen Kommission hat Vitamin A 2022 neu bewertet (Stellungnahme SCCS/1639/21). Für Retinol, Retinylacetat, Retinylpalmitat, Retinyllinoleat und Retinal liegen ihm keine klinischen Berichte oder sonstigen Humandaten vor, die auf ein phototoxisches oder photosensibilisierendes Potenzial hindeuten. „Retinol macht die Haut lichtempfindlich“ ist in dieser Form also nicht belegt.

Es bleibt trotzdem beim Abend, und zwar aus drei praktischen Gründen: Das Produkt hält länger, die Morgenroutine bleibt kurz, und ein forderndes Serum kollidiert nicht mit Sonnenschutz und Make-up. Für das Serum selbst gilt dasselbe wie für die Anwendung – blickdicht, verschlossen, kühl und dunkel lagern.

Wie sieht die Abendroutine aus?

Drei Schritte, mehr braucht es nicht: Reinigung, Serum, Creme. Entscheidend ist, dass die Haut vor dem Serum vollständig trocken ist; auf noch feuchter Haut tritt ein Spannungsgefühl häufiger auf. Zwei bis drei Tropfen genügen für das ganze Gesicht.

SchrittWasHinweis
1milde Reinigungdanach abtrocknen und kurz warten
2Retinol-Serumzwei bis drei Tropfen, Augenlider und Mundwinkel aussparen
3Feuchtigkeitscremeschlicht, ohne weitere fordernde Wirkstoffe

Die Reihenfolge folgt der Textur: vom Flüssigsten zum Reichhaltigsten. Ein Serum bringt den Wirkstoff in einer leichten Zubereitung auf die Haut, die Creme hält Feuchtigkeit und schließt ab. Das sind zwei Schritte, keine Konkurrenz.

Welche Creme kommt nach dem Retinol-Serum?

Eine schlichte, reichhaltige Feuchtigkeitscreme ohne weitere fordernde Wirkstoffe. Keine Säure, kein zweites Vitamin-A-Produkt, kein Peeling im selben Schritt. In den ersten Wochen darf sie ruhig reichhaltiger ausfallen als die, die man sonst verwendet.

Was eine solche Creme leisten soll, ist begrenzt und gut untersucht: Feuchtigkeit halten und die Hautbarriere unterstützen. Niacinamid ist dafür ein häufiger Bestandteil. In einer Untersuchung von Soma und Kollegen (2005) senkte eine Creme mit 2 % Nicotinamid an 28 Personen im Seitenvergleich der beiden Unterarme den transepidermalen Wasserverlust signifikant, weiße Vaseline auf der Gegenseite nicht. Die Teilnehmenden hatten eine chronische Hauterkrankung mit trockener Haut; auf gesunde Haut lässt sich das Ergebnis nicht ohne Weiteres übertragen.

Was Niacinamid sonst noch beiträgt und in welcher Konzentration es untersucht ist, steht in Niacinamid-Serum.

Muss man nach dem Serum warten, bevor die Creme kommt?

Eine belegte Wartezeit gibt es nicht. Sinnvoll ist allein, das Serum kurz einziehen zu lassen, damit die Creme es nicht verschiebt – etwa eine Minute. Die in Foren verbreiteten zwanzig oder dreißig Minuten sind eine Gewohnheit, keine durch Veröffentlichungen gestützte Regel.

Verbreitet ist auch die sogenannte Sandwich-Methode: erst eine dünne Schicht Feuchtigkeitscreme, dann das Serum, dann noch einmal Creme. Sie wird von vielen als angenehmer empfunden, wenn die Haut in den ersten Wochen spannt. Belegt ist sie nicht – wer sie nutzt, sollte wissen, dass er eine Erfahrungsregel anwendet und keinen gemessenen Vorteil.

Was gehört morgens in die Routine?

Reinigung, gegebenenfalls ein Serum ohne Vitamin A, Feuchtigkeitscreme und Sonnenschutz. Der Sonnenschutz ist morgens der wichtigste Schritt – unabhängig davon, ob am Vorabend Retinol aufgetragen wurde. Das ist eine allgemeine Empfehlung für jede Pflegeroutine, keine Sonderregel für diesen Wirkstoff.

Ein Vitamin-C-Serum passt gut in den Morgen, weil es dort ohnehin sinnvoller aufgehoben ist als am Abend. Damit ergibt sich die einfachste mögliche Aufteilung: Vitamin C am Morgen, Vitamin A am Abend. Zwei fordernde Wirkstoffe stehen sich so nie im Weg.

Morgens – Reinigung, Feuchtigkeitscreme, Sonnenschutz. Bei Bedarf davor ein Serum ohne Vitamin A.

Abends – Reinigung, Retinol-Serum, Feuchtigkeitscreme. An Abenden ohne Retinol ein anderes Serum oder nur die Creme.

Wie sieht eine Woche mit Retinol aus?

Zwei bis drei Retinol-Abende, verteilt statt aufeinanderfolgend, und dazwischen Abende ohne fordernden Wirkstoff. Ein Beispiel für die ersten Wochen, das sich später verdichten lässt:

AbendWas aufgetragen wird
MontagRetinol-Serum, danach Creme
Dienstagnur Feuchtigkeit
MittwochRetinol-Serum, danach Creme
Donnerstagnur Feuchtigkeit
FreitagRetinol-Serum, danach Creme
SamstagPeeling oder ein anderes Serum, nie zusammen mit Retinol
Sonntagnur Feuchtigkeit

Der Sinn der freien Abende ist nicht die Pause an sich, sondern die Beobachtbarkeit: Wer täglich alles aufträgt, kann eine Rötung keinem Produkt zuordnen. Bleibt die Haut über zwei Wochen unauffällig, kommt ein vierter Abend dazu; zeigt sie Trockenheit, fällt einer weg.

Am Morgen ändert sich in dieser Woche nichts. Die Morgenroutine bleibt an allen sieben Tagen identisch, weil sie keinen Wirkstoff enthält, der mit dem Abend konkurriert.

An welchen Abenden wird pausiert?

An Abenden mit einem Peeling, nach einer kosmetischen Behandlung und immer dann, wenn die Haut spannt, gerötet ist oder schuppt. Ein Peeling mit AHA oder BHA und ein Retinol-Serum am selben Abend bringen selten mehr; sie kosten vor allem Toleranz.

Wer parallel ein Kupferpeptid-Serum verwendet, legt die beiden auf verschiedene Abende. Eine chemische Unverträglichkeit ist dort nicht beschrieben, es geht allein um die Verträglichkeit der Haut. Die ausführliche Fassung steht in Kupferpeptide mit Retinol oder Vitamin C kombinieren.

Wie viele Abende pro Woche am Anfang sinnvoll sind und wie sich der Rhythmus über acht Wochen aufbaut, steht in Retinol richtig anwenden. Den Überblick über Konzentration, Einführung und Vorsichtshinweise gibt der Leitfaden zum Retinol-Serum.

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Studien und Quellen

Die folgenden Arbeiten betreffen den jeweiligen Wirkstoff oder andere Rezepturen. Keine davon untersucht ein Produkt der Maison Covelli.

Dieser Beitrag beschreibt kosmetische Mittel und ihre Inhaltsstoffe. Er bezieht sich auf das Erscheinungsbild der Haut und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei Hautveränderungen, in der Schwangerschaft oder bei bekannten Unverträglichkeiten wenden Sie sich an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt.

Häufige Fragen

Wann trägt man Retinol auf, morgens oder abends?

Abends, auf die gereinigte und vollständig trockene Haut, vor der Creme. Der Grund liegt im Produkt: Licht baut Vitamin-A-Verbindungen ab. Am Morgen bleibt die Routine schlanker, und der Sonnenschutz hat den Platz, der ihm zusteht.

Welche Creme kommt nach dem Retinol-Serum?

Eine schlichte, reichhaltige Feuchtigkeitscreme ohne weitere fordernde Wirkstoffe – keine Säure, kein zweites Vitamin-A-Produkt, kein Peeling im selben Schritt. Sie wird direkt auf das eingezogene Serum aufgetragen und darf in den ersten Wochen ruhig reichhaltiger ausfallen als sonst.

Muss man nach dem Retinol-Serum warten, bevor die Creme kommt?

Eine belegte Wartezeit gibt es nicht. Sinnvoll ist nur, das Serum kurz einziehen zu lassen, damit die Creme es nicht verschiebt – etwa eine Minute. Längere Pausen sind eine verbreitete Gewohnheit, keine durch Veröffentlichungen gestützte Regel.

Braucht man bei Retinol täglich Sonnenschutz?

Täglicher Sonnenschutz ist in jeder Pflegeroutine sinnvoll und keine Besonderheit von Retinol. Für Retinol liegen dem wissenschaftlichen Ausschuss der EU-Kommission keine Humandaten vor, die auf ein photosensibilisierendes Potenzial hindeuten. Der Sonnenschutz bleibt trotzdem der Schritt mit dem besten Verhältnis von Aufwand und Nutzen.

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